Die beiden Topscorer des Spiels im direkten Duell: Gregg Warburton und Nico Dreimüller (r.)

Foto: Steffie Wunderl

DBS-Herren unterliegen Großbritannien im Kampf um WM-Bronze

Es war das erwartet schwere Spiel gegen einen gut aufgelegten Gegner. Im Bronzefinale der Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft unterlag die deutsche Mannschaft am Samstagmorgen (19.09.) Großbritannien trotz einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit mit 56:67 (18:23, 29:45, 41:53). Platz vier ist trotz der verpassten Medaille das beste Abschneiden eines deutsche Herrenteams seit den ersten Weltmeisterschaften 1973 in Brüssel.

Erste Halbzeit hat den Sieg gekostet

»Wir waren in der ersten Halbzeit einfach nicht aggressiv genug in der Verteidigung, haben zu viele Punkte zugelassen. Wir waren nicht bereit, in der Defensive an Limit zugehen und dann liegst du mit 16 Punkten hinten. In der zweiten Hälfte haben die Jungs dann gezeigt, dass sie es können. Haben sich super heran gekämpft und Moral bewiesen«, fasst Bundestrainer Jan Haller die Partie zusammen.

»Das die Mentalität die wir schon die ganze Zeit haben, nie aufzugeben und an sich zu glauben. Großbritannien hatte auch wieder die richtigen Antworten und dann lief uns am Ende die Zeit davon. Heute hätten wir es auch nicht verdient gehabt, aufgrund der Leistung in der ersten Hälfte«, so Haller weiter.

Trotzdem könne das Team stolz auf das Erreichte sein. Mit dem vierten Platz habe man die gute Entwicklung der letzten Jahre mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Paralympics in Paris und der EM in Sarajevo bestätigen können – und das mit der jüngsten Mannschaft des Turniers.

Niederlage aus dem Halbfinale noch spürbar

Schon in den ersten Minuten der Partie in der stimmungsvollen TD Place Arena war den deutschen Herren anzumerken, dass ihnen nach der knappen Halbfinalniederlage gegen Australien noch etwas die Frische in den Köpfen und die Konsequenz in den Defensivaktionen fehlte. Gregg Warburton und Philipp Pratt bekamen zu wenig Druck und brachten ihre Farben mit leichten Würfen bis zum Viertelende mit 23:18 in Front.

Lautstark von der eingeschworenen Fangemeinde aus Familienmitgliedern und Freunden angefeuert und unter den Augen des deutschen Botschafters Matthias Lüttenberg, hielten Böhme, Budde, Halouski und Dreimüller – und nach seiner Einwechslung auch Günter – nach Kräften dagegen.

Deutscher Botschafter unter den deutschen Fans

Auch im zweite Spielabschnitt konnten die deutsche ihre Nervosität nicht ganz ablegen und an die guten Leistungen aus den Spielen gegen die USA oder auch gegen Australien anknüpfen. Zu oft verfehlten die deutschen Schützen den Korb, oder der Ball hüpfte vom Ring eben nicht in den Korb. Auf britischer Seite war dagegen fast jeder Wurf ein Treffer und so sahen sich Böhme und Co zu Pause beim Stand von 29:45 einem 16-Punkte Rückstand gegenüber.

 

Aufgeben war für die deutschen Herren aber keine Option und so kamen sie mit neuem Mut aus der Kabine. Ausgehend von einer deutlich aggressiveren Deckungsarbeit und einer verbesserten Wurfquote das Viertel mit 12:8 für sich entscheiden und den Abstand zumindest etwas verkürzen.

Im Schlussviertel blieb das Haller-Team weiter konzentriert in der Defensive und erfolgreich im Angriff. Nico Dreimüller konnte 1:10 Minuten vor Ender der Partie mit einem Dreier zum 56:65 auf neun Punkte verkürzen, die beherzte Aufholjagd kam aber zu spät und Großbritannien sicherte sich verdient die Bronzemedaille.

Bester deutscher Werfer war an diesem Vormittag Nico Dreimüller, der 24 Punkte erzielte, davon zwei jenseits der Drei-Punkte-Markierung. Beim den Briten führt Gregg Warburton die Scorerliste seines Teams mit 20 Punkten an.

»Wir wollen bei der nächsten EM noch einen drauflegen«

»Wir haben den positiven Trend der letzten Jahre bestätigt mit Platz vier bei dieser WM, und das mit dem jüngsten Team. Unsere Verantwortung als Trainerteam und die der Spieler ist es jetzt, diesen Weg weiterzugehen und konsequent unser Ding zu machen. Da werden wir nicht nachlassen und wollen bei der nächsten Europameisterschaft noch eine drauflegen«, blickt Haller nach dem Turnier schon auf die nächsten Herausforderungen.

Deutschland

Nico Dreimüller (23/2, Asinara Waves Torres/ITA), Thomas Böhme (8, RSV Lahn-Dill), Alexander Budde (8, Thuringia Bulls), Matthias Güntner (8, RSV Lahn-Dill), Aliaksandr Halouski (6 Punkte, RSB Thuringia Bulls), Julian Lammering (2, RSV Lahn-Dill), Tobias Hell (CD Ilunion), Lukas Gloßner (RSB Thuringia Bulls), Maximilian Lammering (RSV Lahn-Dill), Jakob Krömer (n.e., Hannover United), Alexander Keiser (n.e., RBC Köln 99ers), Thomas Reier (n.e., RBC Köln 99ers).

Großbritannien

Gregg Warburton (20 Punkte), Lee Manning (14), Philipp Pratt (12), Oscar Knight (11), Ben Fox (8), Simon Brown (2), Jim Palmer, Terence Bywater (n.e.), Thomas Harvey (n.e.), Abdi Jama (n.e.), Henley Cavannagh (n.e.), Lewis Edward (n.e.).