Für den aus Bayreuth stammenden Thomas Böhme (m.) war das Testspiel in seiner alten Heimat ein besonderes Erlebnis.

Foto: Gregor Pleßmann

Bayreuth bot großartige Kulisse beim Testspielerfolg gegen Frankreich

Die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Herren hat ihr öffentliches Testspiel gegen Frankreich im Rahmen der WM-Vorbereitung für sich entscheiden können. Vor rund 1000  begeisterten Zuschauenden in der Bayreuther Oberfrankenhalle besiegte das Team von Bundestrainer Jan Haller die französischen Gäste mit 82:59 (16:15, 41:27, 67:42). In einem intensiven und emotional geführten Spiel ragte Aliaksandr Halouski mit 19 Punkten auf deutscher Seite bei den Korbschützen heraus. Für die Franzosen markierte Enzo Trabuchet mit 26 Punkten die meisten Korberfolge.

Volle Halle – tolle Stimmung – hohes Niveau

Zunächst entwickelte sich in der gutbesetzten Oberfrankenhalle ein Spiel auf Augenhöhe, in dem sich die deutschen Herren gegen engagiert spielende Franzosen zum Ende des ersten Viertels mit 16:15 nur einen hauchdünnen Vorteil erspielen konnten. Aber schon im Lauf des zweiten Spielabschnitts zogen die Gastgeber das Tempo an und sorgten unter anderem in Person von Aliaksandr Halouski für mehr Druck unter dem gegnerischen Korb. Zudem gelang es der konsequenter agierenden deutschen Defense immer wieder Ballgewinne zu kreieren, die Alexander Budde im Schnellangriff sicher versenken konnte. So ging das Team von Bundestrainer Jan Haller mit plus 15 Punkten (41:26) und die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel setzte das Team um Co-Kapitän Thomas Böhme nahtlos ihr dominantes Spiel weiter fort. Während den Franzosen nur selten leichte Korbpunkte gelangen, bauten die deutschen Herren den Vorsprung mit tatkräftiger Unterstützung des begeisterten Publikums kontinuierlich aus. Beim Stand von 67:42 zum Ende des dritten Viertels war die Vorentscheidung dann gefallen.

Das Schlussviertel verlief dann wieder ausgeglichen. Die Gäste fanden zwar immer mal wieder den Weg unter den deutschen Korb, ohne jedoch den Erfolg in Gefahr zu bringen. Mit viel Spielfreude, einer weiterhin konzentrierten Defensive und sehenswerten Offensivaktionen brachte das Team den Vorsprung souverän über die Zeit und gewann am Ende auch in dieser Höhe verdient mit 82:59.

Auf deutscher Seite verteilen sich die Punkte auf fast das gesamte Team, wobei Aliaksandr Halouski (19 Punkte, 1 Dreier), Nico Dreimüller (18, 2) und Alexander Budde (10) zweistellig trafen, ebenso wie Enzo Trabuchet (26, 2), Nicolas Joyenserre (12/2) und Esteban Henroit (10) auf Seiten der Franzosen.

»Insgesamt gibt es nichts auszusetzen«

»Es war auf jeden Fall viel Feuer drin. Das hat mich sehr gefreut, weil es für die Zuschauer sehr attraktiv war, auch weil es am Anfang ein sehr enges Spiel war«, fasste Bundestrainer Haller die Partie zusammen. »Umso mehr hat es mich dann aber gefreut, dass wir es hinten raus dann weniger spannend gemacht haben. Für uns war es ein rundum gelungener Tag heute hier. Wir haben heute Rollstuhlbasketball auf einem super Level präsentiert, zusammen mit dem RSV Bayreuth, der ganz viel Arbeit reingesteckt hat, um hier ein richtiges Event daraus zu machen. Viele Zuschauer, eine tolle Atmosphäre – insgesamt gibt es nichts auszusetzen«, so Haller weiter.

Bundestrainer Jan Haller. Foto: Gregor Pleßmann

Foto: Gregor Pleßmann

 

Zudem haben er und sein Trainerteam viele Erkenntnisse aus dem Spiel und dem Lehrgang gewinnen können. »Unsere Große stärke lag heute im Offensivspiel, dass wir viele Scorer auf dem Feld hatten und das Scoring breit verteilen konnten. Wir haben viele Optionen im Angriff, was es für den Gegner natürlich schwer macht, uns zu verteidigen. In der Defensive waren wir hier und da ein zwei Sekunden zu spät – da haben wir noch Punkte, wo wir etwas verbessern können. Allerdings kommen wir aus einer harten Trainingswoche, sind wenige Wochen vor der WM und da wäre es auch nicht gut, wenn jetzt schon alles richtig funktionieren würde.«

Beste Werbung für eine faszinierende Sportart

Insgesamt war das Event beste Werbung für den Rollstuhlbasketballsport, der nicht nur in Bayreuth den einen oder anderen Fan dazu gewonnen haben dürfte. Der ausrichtende RSV Bayreuth hat dem Länderspiel einen angemessenen Rahmen verschafft und die beiden Teams haben ihren sportlichen Beitrag dazu geleistet, zum mal wenn man bedenkt, dass die deutschen Herren aus einem sechstägigen Leistungslehrgang heraus in das Spiel gegengen sind.

RSV-Vereinsmanager Sebastian Gillsch und Dagmar van Hinte, Leiterin Sportentwicklung und Projekte, zogen ein durchweg positives Fazit und bedankten sich bei allen Beteiligten, Unterstützern und Partnern.

»Für uns als RSV Bayreuth war es eine große Ehre, gemeinsam mit der Stadt Bayreuth Gastgeber des Lehrgangs sowie Ausrichter des Testspiels der deutschen Herren-Nationalmannschaft zu sein«, sagte Sebastian Gillsch und bedankte sich bei der Nationalmannschaft für das in die Organisatoren gesetzte Vertrauen. »Die Kulisse heute hat gezeigt, zu was wir als Standort zu Leisten in der Lage sind. Wir sind stolz, darauf, dass wir dieses Basketballfest ausrichten durften und der deutschen Nationalmannschaft eine solche Kulisse bieten konnten.«

Thomas Böhme als Rekordnationalspieler geehrt

Eine ganz besondere emotionale Bedeutung hatte das Spiel für Nationalmannschaftskapitän Thomas Böhme, der aus Bayreuth stammt und hier seine sportlichen Wurzeln hat, sowie für Co-Trainer Günther Mayer, der seit Jahrzehnten in Bayreuth lebt und sich über viele Jahre beim RSV engagiert hat.

Thomas Böhme wird als Rekordnationalspieler geehrt. | Foto: Gregor Pleßmann

Auszeichnung für Thomas Böhme – mit Henrik Jeske (Teammanager), Bundestrainer Jan Haller und dem Dritten Bürgermeister der Stadt Bayreuth, Thomas Bauske (v.l.n.r.).

Foto: Gregor Pleßmann

 

Entsprechend nutzten die Verantwortlichen der Natio die besondere Gelegenheit, um ihrem Kapitän vor ›heimischem‹ Publikum eine Auszeichnung als Rekordnationalspieler zu überreichen.

Auch das Halbzeitprogramm stand ganz im Zeichen des Rollstuhlbasketballs. Die Rolli Bears, die Kinder- und Anfängergruppe des RSV Bayreuth, durften ihr Können vor rund 1.000 Zuschauerinnen und Zuschauern unter Beweis stellen – ein Erlebnis, das ihnen sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Unter der Leitung von Trainerin Dagmar van Hinte und mit Unterstützung von Andy Kastner zeigten die Rolli Bears eindrucksvoll, mit wie viel Freude, Einsatz und Leidenschaft sie ihren Sport ausüben.

Text: Presse FB RBB mit Material des Ausrichters

Foto: Gregor Pleßmann